Traditionell sind die ADAC RAVENOL 24h Nürburgring ein „Single Event“. Hier ging es von Beginn an nie primär um Meisterschaftspunkte, sondern vor allem um die Ehre, im härtesten Rennen des Jahres auf der legendären Nordschleife zu siegen. Gleich mehrere Wertungen bringen aber inzwischen noch mehr Würze in das Geschehen.

Denn schon vor den 24h geht es für die Top-Teams in einem komplexen Qualifikationsmodus darum, sich einen der begehrten Plätze im Top-Qualifying zu sichern: Nur noch fünf von 17 Plätzen sind am Rennwochenende zu vergeben, um die einige der stärksten Nordschleifenteams fighten werden. Für zusätzliche Spannung sorgen außerdem zwei wichtige Wertungen, für die bei den 24h Nürburgring Punkte zu holen sind. Zum einen wird das Rennen für die gemeinsame Herstellerwertung mit der Nürburgring Langstrecken-Serie gezählt – hier stellt sich am Saisonende also heraus, welches Fabrikat das erfolgreichste während der gesamten Nordschleifensaison war. Ganz neu ist außerdem die Punktevergabe für die Intercontinental GT Challenge (IGTC). In ihr stehen vor allem die Piloten im Vordergrund, die hier in der Fahrerwertung konkurrieren. Drei Hersteller sind außerdem für die Markenwertung eingeschrieben, die damit zum Vergleich der stärksten internationalen GT3-Langstreckenrennen wird. Jede Menge Faktoren also, die es für Teams und Fahrer gilt im Auge zu behalten. Zum Glück für die Zuschauer bleibt bei allen Rechenspielen eine Erkenntnis ganz einfach: Egal in welcher Wertung – es lohnt sich, schneller zu sein als alle anderen Konkurrenten. So heißt es bei den 24h Nürburgring: Vollgas bis zum Schluss! 

Top-Qualifying: Harter und vorentscheidender Wettbewerb 

Die erste wichtige Entscheidung fällt bei den ADAC RAVENOL 24h Nürburgring traditionell bereits vor dem Rennwochenende, wenn sich die ersten Teams die Teilnahme am entscheidenden Top Qualifying 2 (TQ2) verdienen. Dazu werden ihre Leistungen in den NLS Läufen sowie den beiden Rennen der ADAC 24h Qualifiers herangezogen. Für eine feste Quote von 40 Prozent der Pro- als auch der Pro-Am-Teams werden Plätze freigehalten – diese Rechnung ergibt für 2024 genau zwölf Startplätze im TQ2. Hinzu kommen fünf weitere Startplätze, um die alle noch nicht qualifizierten Teams im Top-Qualifying 1 gegeneinander antreten: In diesem Jahr werden das 15 Teams sein. Und diese Qualifikation kann vorentscheidend für den Erfolg im Rennen sein – denn die 24h Nürburgring sind wohl das einzige Langstreckenrennen weltweit, das nicht vollständig neutralisiert wird, sondern immer weitergeht – diese werden auf der Nordschleife zum Beispiel durch Code-60-Zonen ersetzt. Einmal entstandene Zeitabstände bleiben deshalb bestehen und schmelzen nicht durch Safety Car-Phasen wieder ab.

„Auch wenn es sich um ein Langstreckenrennen handelt, ist der Startplatz mittlerweile von großer Bedeutung und der Grundstein für eine gute Platzierung im Rennen“, beschreibt GetSpeed-Teamchef Adam Osieka, warum die Teilnahme am entscheidenden zweiten Top-Qualifying so wichtig ist. Die Mercedes-AMG GT3 seines Teams stehen am 24h-Wochenende vor der Aufgabe, genau diese Hürde zu nehmen. „Leider sind wir noch nicht für das TQ2 gesetzt. Daher ist unser primäres Ziel, in den drei Zeittrainings weiterhin das Setup auf die neuen Reifen zu optimieren, um dann im ersten Teil des Top-Qualifyings mit beiden Autos einen der verbleibenden fünf Plätze für den finalen Showdown einzufahren.“ Dem gleichen Ziel des optimierten Reifen-Setups diente außerdem ein weiterer planmäßiger Nordschleifen-Test, um weiter insbesondere am Reifen-Setup zu feilen. 

Nach einer starken Vorstellung in den bisher zusammen vier NLS- und 24h-Qualifiers-Rennen auf der Nordschleife kann Manthey EMA da wesentlich gelassener ans Werk gehen: „Ich bin immer erst einmal beruhigt, dass wir im Top Qualifying 2 vertreten sind“, sagt Nicki Raeder, Teamchef und Geschäftsführer der Manthey-Racing GmbH. „Man geht einfacher entspannter in das ganze Wochenende hinein und kann besser planen.“ Der Manthey-Grello #911 schaffte den Einzug mit bislang einem Rennsieg und zwei weiteren Podiumsplatzierungen souverän. „Wenn man sich nicht im Vorfeld den Startplatz gesichert hat, ist es immer etwas spannend, den Einzug dennoch zu schaffen. Das bringt Unruhe in die ganzen Abläufe des Teams. So starten wir beim Top-Qualifying 2 sauber in das 24h-Wochenende.“ Das Ziel ist dann für alle dort vertretenen Teams immer wieder gleich – die bestmögliche Startposition zu erreichen. Raeder beschreibt es so: „Klar kann man theoretisch auch von hinten gewinnen – aber dann müsste man deutlich größere Risiken eingehen.“

Bereits vergebene Startplätze im Top-Qualifying 2:

1 #33 Falken Motorsports 
2 #911 Manthey EMA
3 #16 Scherer Sport PHX
4 #44 Falken Motorsports 
5 #5 Renauer u. Renauer GbR
6 #15 Scherer Sport PHX 
7 #4 Mercedes-AMG Team HRT 
8 #27 Red Bull Team Abt 
9 #35 Walkenhorst Motorsport 
10 #6 Team Advan x HRT
11 #17 PROsport Racing GmbH 
12 #24 Lionspeed GP 
13 Top-Qualifying 1 – Position 1
14 Top-Qualifying 1 – Position 2
15 Top-Qualifying 1 – Position 3  
16 Top-Qualifying 1 – Position 4   
17 Top-Qualifying 1 – Position 5

Startberechtigte Teams im Top-Qualifying 1: 

#1 Frikadelli Racing GmbH 
#3 Mercedes-AMG Team Bilstein 
#7 Konrad Motorsport GmbH  
#8 Mercedes-AMG Team GetSpeed
#11 Schnitzelalm Racing 
#34 Walkenhorst Motorsport 
#36 Walkenhorst Motorsport 
#54 Dinamic GT 
#60 Hankook Competition 
#71 Juta Racing 
#72 BMW M Team RMG 
#98 Rowe Racing 
#99 Rowe Racing
#130 Mercedes-AMG Team GetSpeed
#706 Glickenhaus Racing 

Intercontinental GT Challenge: wertet weltweite Top-Events 

Viel neue Würze kommt bei den 24h Nürburgring ab diesem Jahr durch die Wertung zur Intercontinental GT Challenge ins Spiel. Das Championat fasst vier hochkarätige internationale Langstreckenrennen zusammen – als europäische Läufe sind die 24h Nürburgring und die 24 Stunden von Spa mit dabei. Nach dem Auftakt im australischen Bathurst kommen drei Porsche Piloten als Führende in die Eifel, die hier allerdings nicht mehr in einem gemeinsamen Team antreten, sondern auch untereinander fighten: Laurens Vanthoor und Ayhancan Güven steigen in den Grello-Porsche #911 des Manthey-Teams, während Matt Campbell den GT3-911er mit der #13 im Team Renauer u. Renauer GbR pilotiert. „Natürlich ist es schade, dass Matt seine IGTC-Führung nicht mit Ayhancan und mir gemeinsam verteidigen kann“, sagt Laurens Vanthoor, der aber mit Blick auf seine Teamkollegen Kevin Estre und Thomas Preining zuversichtlich ist: „Sie sind Weltklasse-GT-Fahrer, die sich auf der Nordschleife auskennen. Insgesamt sind wir ein sehr starkes Team, aber das kann man auch von den meisten anderen SP9-Profis sagen. Es wird ein unglaublich enger Wettbewerb sein.“

Einer der Top-BMW-Piloten bei den 24h rangiert vor dem Rennwochenende auf Platz 4 der IGTC: Maxime Martin freut sich auf den Einsatz im Rowe-BMW M4 GT3 #98 und schwärmt: „Fantastisch, dass die 24h Nürburgring jetzt Teil der Intercontinental GT Challenge sind. Es ist eine großartige Meisterschaft, in der BMW M Motorsport in der Vergangenheit viele Erfolge gefeiert hat. In diesem Jahr sind wir in Bathurst in die Saison gestartet und haben mit dem BMW M4 GT3 des BMW M Team WRT bis zur Ziellinie um das Podium gekämpft.“ Mit ihm im Cockpit: Raffaele Marciello, der gemeinsam mit Martin, Marco Wittmann und Augusto Farfus in einem extrem starken Team fährt. „In der zweiten IGTC-Runde der Saison fahren wir mit Rowe Racing, und ich habe eine ganz besondere Verbindung zu den 24h Nürburgring“, sagt der Belgier Martin. „Ich fühle mich auf der Nordschleife wirklich zu Hause und nach drei zweiten Plätzen auf dem Podium in der Vergangenheit ist es sicher das Ziel, jetzt auf die oberste Stufe des Treppchens zu kommen. Das wäre ein fantastischer Erfolg und würde uns und BMW M Motorsport im Kampf um die Fahrer- und Herstellermeisterschaft in der IGTC einen echten Schub geben.“

Text und Foto: ADAC Nordrhein Sportpresse


 

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