News

Mattias Ekström (Schweden), Timo Scheider (Deutschland) und Greg Franchi (Belgien) heißen die Sieger des 24h Rennens von Spa-Francorchamps 2011. Damit konnte das Fahrertrio endlich den lang ersehnten ersten Gesamtsieg für Audi mit dem R8 LMS bei einem 24h Rennen herausfahren. Mit BMW und Mercedes standen beim dritten Lauf der Blancpain Endurance Series zwei weitere Marken auf dem Podium.

Mit Spannung wurde in diesem Jahr die 63. Auflage des 24 Stundens von Spa-Francorchamps erwartet. Denn selten zuvor wurde im Vorfeld des prestigeträchtigen Langstreckenklassikers so viel über die Veranstaltung diskutiert, wie in diesem Jahr. Grund hierfür war die Trendwende, die 2011 bei der Hatz zweimal rund um die Uhr auf der Ardennen-Achterbahn eingeführt werden sollte. So lag zum ersten Mal in der Geschichte der 24h von Spa-Francorchamps der Fokus nicht auf GT1 oder GT2 Boliden, sondern auf GT3 und GT4 Fahrzeugen. Obwohl dieser Schnitt mit Hinblick auf die lange Historie des Rennens natürlich sehr gewagt war, wurde diese Veränderung nicht nur von den Zuschauern, sondern auch von den Teilnehmern sehr gut aufgenommen. So war das Starterfeld mit 63 Fahrzeugen beim Highlight Rennen der zu Saisonbeginn neu gegründeten Blancpain Endurance Serie prall gefüllt.

Nachdem bereits die beiden Auftaktveranstaltungen der neuen Rennserie in Monza (Italien) und Navarra (Spanien) Hoffnung auf ein sehr eng zusammen liegendes Feld sowohl an der Gesamtspitze als auch in den einzelnen Klassen gemacht hatten, rechtfertigte schon das in drei Abschnitten aufgeteilte Qualifying diese Einschätzung. Lange Zeit sah es so aus, als sollte der zweifache DTM Champion Mattias Ekström für das Audi Sport Team WRT bei deren Heimspiel die Pole Position herausfahren können. Kurz vor Ablauf der 45-minütigen Session nutzte der Schwede die immer besser werdenden Streckenbedingungen perfekt aus und umrundete den Kurs in Spa-Francorchamps in 2.40,472 min. Eine Rundenzeit, die die Konkurrenz aufgrund des strömenden Regens im zweiten Qualifying und auch über weite Strecken des Abschlusstrainings fast zur Verzweiflung trieb. Eine halbe Stunde vor Ende trocknete die Strecke jedoch rapide ab und die Zeiten purzelten von Runde zu Runde. Es entwickelte sich ein packender Showdown um die Pole Position, denn es war klar, dass somit die Zeiten des dritten Abschnittes über die Startaufstellung entscheiden würden. Jubeln konnten schlussendlich Marc Hennerici, Maxime Martin und Bas Leinders, die für das Marc VDS Racing Team eine Zeit von 2:24.488 min. in den Asphalt brannten und sich damit vor dem Prospeed Competition Porsche von Marc Goossens, Jan Heylen und Maxime Soulet die Pole Position sichern konnten.

Dass es bei einem 24 Stunden Rennen jedoch nicht in erster Linie auf eine gute Startposition ankommt, bewiesen die Audi Teams bereits in der Anfangsphase des 24 Stunden Rennens. Obwohl die Enttäuschung mit den Rängen sieben, zehn und dreizehn nach dem Qualifying schon recht groß war, schoben sich sowohl die beiden von Phoenix Racing eingesetzten Fahrzeuge als auch das belgische WRT Team schnell nach vorne. Grund war nicht zuletzt ein turbulenter Auftakt, bei dem es an der Gesamtspitze drunter und drüber ging. Denn das große Favoritensterben setzte schon früh im Rennen ein. Zunächst erwischte es die beiden Prospeed Competition Porsche 997 GT3 R, die sich zwar einen erbitterten Kampf um die Führung lieferten, jedoch beim Anbremsen auf die Bus-Stop Schikane nach einem teaminternen Missverständnis miteinander kollidierten und dadurch beide bereits unfreiwillig früh die Box zu einer längeren Reparatur ansteuern mussten. Noch schlechter lief es hingegen für einen der McLaren GT (#59 Andrew Kirkaldy, Oliver Turvey und Alvaro Parente), der nach einem heftigen Einschlag in La Source nicht nur für die erste Safety-Car Phase im Rennen sorgte, sondern bereits die Segel streichen musste. Davon profitieren konnte neben den Audi Teams zunächst auch der AF Corse Ferrari 458 Italia (#50 Jack Gerber, Matt Griffin, Nikki Cadei und Marco Cioci), der die packende erste Rennstunde in Führung liegend beendete sowie die beiden Blancpain Reiter Lamborghinis. Doch die Freude bei Teamchef Hans Reiter war nur von kurzer Dauer. Bereits nach drei Rennstunden war der Traum vom Podium beim Langstreckenklassiker für ihn ausgeträumt.

Während die #24 mit Marc A. Hayek, Peter Kox und Jos Menten durch einen Motorschaden ausschied, trafen die Teamkollegen (#25 Eugenio Amos, Nikolaus Mayr-Melnhof und Albert von Thurn und Taxis) bei einem überhasteten Überholmanöver die Mauer am Eingang der Boxenstraße und mussten durch die damit verbundenen Unfallschäden aufgeben.

Nachdem der AF Corse Ferrari bedingt durch eine Durchfahrtsstrafe Zeit verlor, übernahmen die beiden Phoenix Audi R8 LMS sowie das belgische WRT Team das Zepter an der Spitze und lieferten Runde um Runde Zeiten ab, an denen sich die Konkurrenz die Zähne ausbiss. Mit einer deutlichen Dreifachführung für die Männer mit den vier Ringen ging es in die Nacht hinein, bis auch hier die ersten Probleme und Zwischenfälle einsetzten.

So erwischte es gegen 2.30 Uhr die in Führung liegende #99 mit Marc Basseng, Christopher Haase und Frank Stippler. Ausgang Rivage war Haase mit dem Audi R8 LMS verunfallt und in die Reifenstapel eingeschlagen. Der Traum vom Gesamtsieg war also auch hier ausgeträumt. Der zweite Phoenix R8 #98 mit Mike Rockenfeller, Andrea Piccini und Marcel Fässler konnte jedoch auch nicht in die Bresche springen, da aufgrund eines Getriebewechsels sehr viel Zeit an der Box verloren ging. Somit war von nun an der Fokus auf das WRT Team von Mattias Ekström, Timo Scheider und Greg Franchi gelegt, die das Rennen trotz des großen Drucks, der auf Ihren Schultern lastete, sicher nach Hause fahren konnten. Auf Rang zwei kam das Need for Speed Team Schubert, die siegreiche Truppe vom 24h Rennen von Dubai, ins Ziel. Für das in Oschersleben beheimatete Team war dieses Ergebnis bei der Premiere in Spa-Francorchamps ein mehr als beachtliches Resultat und das obwohl Dirk Werner und Edward Sandström sehr viele Turns alleine bestreiten mussten. Die Aachenerin Claudia Hürtgen wurde während der Veranstaltung krank und benötigte dadurch zwischenzeitlich größere Rennpausen. Den dritten Rang sicherte sich ein weiteres bekanntes Team aus der VLN Langstreckenmeisterschaft. Kenneth Heyer, Thomas Jäger und Stéphane Lemeret schafften für das Black Falcon Team mit dem Mercedes SLS AMG GT3 den Sprung auf das Podest, auch wenn sie diesen Platz kampflos erbten. Grund hierfür war zum einen die Disqualifikation des Vita4one Ferrari F458 Italia und zum anderen technische Probleme am Hexis AMR Aston Martin DBRS-9. Gerade das erst genannte sorgte für viele Diskussionen. Die Entscheidung der Rennleitung war sicherlich hart, aber vertretbar. Was war passiert? Das Team rund um Michael Bartels und Andrea Bertolini erhielt eine Durchfahrtsstrafe, weil der Motor während größeren Arbeiten an der Box nicht abgeschaltet war. Diese traten sie jedoch nicht in der dafür vorgesehenen Zeit an und wurden daher kurzerhand mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen genommen.

Doch nicht nur um die Gesamtspitze wurde gefightet, sondern auch in den einzelnen Klassen ging es heiß zur Sache. Den Sieg in der Pro-Cup sicherten sich Matthias Ekström, Greg Franchi und Timo Scheider, in der Pro-Am Cup waren Ludovic Badey, Franck Morel, Guliaume Moreau und Jean-Luc Beaubelique mit ihrem Ferrari F458 Italia erfolgreich. Die knappste Entscheidung gab es jedoch in der Gentleman Trophy. Hier hatten Brody, Christoff Corten, Mathijs Herkema und Kurt Dujardin nur ganz knapp die Nase vorne vor dem Team von Mühlner Motorsport. Die GT4 Kategorie entschied Nissan mit dem 370Z und der Besetzung Alex Buncombe, Jordan Tresson und Christopher Ward für sich und Marc Faggionato, Thierry Stepec, Thierry Prignaud und Franck Racinet heißen die Sieger in der Cup Klasse.

Stimmen nach dem Rennen:

Timo Scheider (#33 Audi Sport Team WRT): “Ich möchte zunächst ein großes Dankeschön an alle Leute ausrichten, die uns über das Wochenende unterstützt haben. Im Rennen haben wir uns keine Fehler erlaubt und der Audi R8 LMS lief ohne Probleme bis zum Ende durch. Wir hatten sehr viel Druck von der sehr starken Konkurrenz, haben diesem aber durchweg standhalten können. Eine Veranstaltung, wie die 24 Stunden von Spa zu gewinnen, ist immer etwas ganz Besonderes."

Claudia Hürtgen (#76 Need for Speed Team Schubert): “Es war ein hartes Rennen für uns, da wir von Rang 48 aus gestartet sind. Wir haben allerdings eine gute Setup-Einstellung für das Rennen gefunden, was uns Vertrauen in unser Auto gegeben hat. Speziell für das Team ist dieses Ergebnis klasse, denn wir haben beim letzten 24-Stunden-Rennen am Nürburgring gleich zwei Fahrzeuge früh im Rennen verloren. Ich hoffe, dass wir nach unserer Premiere auch nächstes Jahr wieder am Start sein werden und vielleicht noch stärker sein können."

Thomas Jäger (#35 Team Black Falcon): “Wir hatten ein gut vorbereitetes Auto und auch die Zuverlässigkeit hat gestimmt, was bei einem 24 Stunden Rennen immer extrem wichtig ist. Das Ergebnis ist wirklich toll für uns. Als rein privates Rennteam ist es natürlich schwer, gegen die ganzen Werksteams zu konkurrieren. Dennoch glauben wir, dass wir nächstes Jahr noch wettbewerbsfähiger sein zu können. Wir werden auf jeden Fall zurückkommen und hoffentlich mit um den Sieg fahren."

 

Text: Daniel Cornesse

Fotos: Blancpain Endurance Series

Fotos

In chronologischer Reihenfolge.
Mehr

Interviews

Die Stimmen der Piloten - nach Qualifying und Rennen.
Mehr

Onboards

Direkt aus dem Fahrzeuginneren.
Mehr

Kartevent

Eine einzigartige Veranstaltung.
Mehr
14 Jahre VLN-Fanpage.de

Connect With Us

Wir sind auch in den sozialen Netzwerken und auf diversen Online-Plattformen vertreten.

Terminplan

AUG
15
ADAC GT MastersNürburgring
AUG
29
VLN Lauf 5Nürburgring + Nordschleife



SEP
19
ADAC GT MastersHockenheimring
SEP
26
ADAC TOTAL 24h-RennenNürburgring + Nordschleife