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Kaum zurück aus Le Mans ging es für Yannick Mettler vergangene Woche direkt weiter zum nächsten Highlight der Saison: dem legendären 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Keine Zeit für Erholung also, denn die Mission "GT4-Sieg in der Grünen Hölle" wartete auf Erfüllung!

Lange hatte sich der Luzerner und die Mannschaft von Black Falcon auf diese Woche vorbereitet und keinen Aufwand gescheut, um dieses Ziel zu erreichen. Als es schliesslich darauf ankam, machte das Team rund um den Identica Mercedes-AMG GT4 alles richtig und überquerte die Ziellinie als Sieger eines extrem langen und intensiven Kopf-an-Kopf-Rennens.

Über 20 Stunden powerten Mettler und seine Teamkollegen Marek Böckmann, Tristan Viidas und Tobias Müller im direkten Zweikampf um die Spitze durch die Grüne Hölle, ehe ein Radlagerschaden bei der Konkurrenz die Vorentscheidung brachte. Auch in den verbleibenden vier Stunden blieb das gesamte Team fehlerfrei und brachte den Sieg mit drei Runden Vorsprung und ohne Kratzer am Auto souverän ins Ziel. Mettler komplettierte mit diesem Erfolg nicht nur sein GT4-Siegesportfolio am Nürburgring, sondern erfüllte sich gleichzeitig auch den Traum vom Hattrick beim härtesten Rennen der Welt.

Nachdem wiederholten Sieg in der BMW Cup Klasse letztes Jahr nutzte er nun die "Once in a lifetime"-Chance, beim extremsten Rennen der Welt einen dritten Klassensieg in Folge umzusetzen. Diesmal startete er jedoch in der schnelleren GT4-Klasse (SP10), in der er letztes Jahr den VLN Meistertitel erringen konnte.

Durchgezogener Start

Einmal mehr lockte der Mega-Event in der Eifel ein rekordverdächtiges Publikum von über 250.000 Zuschauer an die Rennstrecke und bescherte die Fans rund um die Welt mit dramatischen Szenen und Renn-Action vom Feinsten. Als eines der Favoriten-Teams in der GT4-Klasse war die Aufgabenstellung für Mettler und seine Teamkollegen von Anfang an ganz klar: Der Sieg musste her.

Das Wetter machte es den Teilnehmern in den ersten Trainingssessions vor dem Rennen jedoch alles andere als leicht: Sintflutartige Regenfälle wurden im Minutentakt von grellem Sonnenschein abgelöst, weshalb sich das Limit ebenso minütlich in alle Richtungen verschob. Auch in der Qualifikation lief es noch nicht ganz rund: Bei dem nagelneuen Auto gab es noch einiges an Einstellarbeiten. Ein Fall für die Mechaniker von Black-Falcon, die bei diesem Event wie alle anderen Mitglieder des Teams immer wieder über sich hinauswuchsen. Schlussendlich ging es von Platz sechs ins Rennen.

Ein Duell der Extralative

Am Samstag kurz nach halb vier ging es dann los in die Hatz zweimal rund um die Uhr - diesmal unter sengender Sonne. Der tosende Pulk aus zig Fahrzeugen schoss dicht gedrängt und wie ein wild gewordener Bienenschwarm auf die erste Kurve zu. Mettler, der den Start fuhr, behielt die Nerven und vermied jegliche Kollision - der Grundstein zu einem vielversprechenden Rennen. Im Verlauf des ersten Stints gelang es dem "schnellen Schweizer", sich Richtung Spitze nach vorne zu kämpfen und somit in Schlagdistanz zu bleiben. Nach einem ebenso gelungenen ersten Pitstop lag die Crew rund um den Identica AMG GT4 bereits auf P2 - und damit war die Jagd auf die Führung eröffnet.

Was darauf folgte, war ein Zweikampf auf höchstem Niveau. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der Hofor Racing BMW mit der Startnummer 71 seine Führung auf keinen Fall abgeben will. Die Konkurrenz legte einen eindrücklichen Speed an den Tag - keine Spur von Materialschonung. Das Black-Falcon-Quartett wurde dadurch maximal gefordert, um den Druck aufrecht zu halten. Dennoch entschied man sich dazu, ein bis zwei Sekunden pro Runde zu opfern, um das Fahrzeug noch nicht zu sehr zu beanspruchen. Das war immerhin genug, um den Rückstand innerhalb einer Minute konstant zu halten.

Pünktlich zu Mettlers nächstem Einsatz zeigte sich die wahre Magie, die dieses Rennen ausmacht: Von der rot glühenden Sonne wurde die bildschöne Eifelregion in güldenes Licht getaucht. Das nächste Zwischenziel lautete, die Nacht zu "überleben". Dies bedeutete allerhöchste Konzentration, denn im Dunkel der Nacht gab es wie gewohnt zahlreiche Opfer zu beklagen - der Mercedes AMG mit der Startnummer 70 wurde glücklicherweise keines davon.

Im Gegenteil: Die kühlen Bedingungen kamen dem 450 PS starken Boliden wesentlich besser entgegen, als die heissen Temperaturen beim Start. Die Rundenzeiten purzelten und bald darauf kam es zum Führungswechsel. Mettlers Teamkollegen behaupteten diese über die kurz ausfallende Juni-Nacht und übergaben zur Morgendämmerung wieder an den Schweizer, der diese Phase des Rennens stets mit Vorsicht zu geniessen weiss:

"Der erste Morgenstint ist immer ein besonderer Balanceakt: Es wird wieder hell, die Bedingungen werden scheinbar besser, aber gleichzeitig macht sich auch erstmals die Müdigkeit bemerkbar. Zudem nimmt einem die tiefstehende Sonne an vielen Orten komplett die Sicht und es kann sich Tau auf der Strecke bilden, da muss man enorm auf der Hut sein."

Fehlerloser Durchmarsch

Mit den steigenden Temperaturen zum Mittag hin verschob sich die Performance allmählich wieder zum Vorteil der Konkurrenten, so dass der Vorsprung nun kontinuierlich schrumpfte. Jetzt hieß es erneut, die Nerven zu behalten. Um noch mehr Druck auszuüben, änderten die Verfolger zusätzlich ihre Pitstop-Strategie, sodass kurzzeitig nur noch wenige Sekunden zwischen den Kontrahenten lagen. Doch nach knapp 20 Stunden pausenlosem Zweikampf passierte es: Der gegnerische BMW M4 musste zu einem unplanmässigen Stopp an die Box, um ein defektes Radlager zu wechseln. Damit war die Vorentscheidung gefallen, aber noch lange nichts sicher. Nun hiess es, den AMG GT4 sicher ins Ziel zu bringen und keine unnötigen Risiken mehr einzugehen.

Während der Kampf um den Gesamtsieg bei den GT3 Fahrzeugen weiterhin viele Opfer forderte, fuhr die Identica Black Falcon Mannschaft souverän zur Zielflagge und landete damit nicht nur auf dem ersten Rang in der GT4-Wertung, sondern gleichzeitig auch auf einem phänomenalen 18. Gesamtrang von insgesamt 155 Startern (normalerweise werden die Top20 ausschliesslich von GT3-Fahrzeugen belegt).

"Ein Kopf-an-Kopf-Rennen über fast 20 Stunden, das war Racing auf höchstem Niveau! Ich kann jedem Einzelnen vom Team Black Falcon nicht genügend danken. Was ihr alle in den letzten Tagen geleistet habt ist einfach mega! Natürlich gilt mein Dank auch meinen Top-Teamkollegen und allen Sponsoren, die uns diesen emotionalen ,Höllenritt' ermöglicht haben!", so Mettler sichtlich glücklich nach dem Rennen.

"Jeder weiss, wie schwierig es ist, dieses Rennen auch nur einmal im Leben zu gewinnen. Es kann so unglaublich viel passieren in diesen 24 Stunden, und die Competition hier ist jedes Mal extrem hoch. Hier dreimal hintereinander zu gewinnen ist etwas, was nur sehr wenigen Leuten überhaupt jemals gelingt. Ich bin überglücklich, dass ich mich ab heute dazuzählen darf."

So geniesst Mettler nicht nur diesen Erfolg, sondern auch eine verdiente Erholungswoche. In zwei Wochen geht es bereits weiter zum nächsten 24h-Rennen in Portimao (Portugal). Dort wird er zum zweiten Mal in diesem Jahr das Schweizer Team von Autorama Motorsport by Wolf-Power Racing unterstützen.


Text: Oliver Selzer und Fotos: Oliver Selzer, Basti Sevastos

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