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Als uns Mitte der Woche die traurige Meldung über den Tod von Sabine Schmitz (14.5.1969 - 16.3.2021) erreichte, war unser gesamtes VLN-Fanpage Team zutiefst schockiert. Und ehrlich gesagt wird es noch sehr lange dauern bis wir und sicherlich auch die Motorsportfans aus der ganzen Welt diesen Verlust verarbeitet haben – falls dieser Zeitpunkt überhaupt jemals eintreten wird. Im Herzen wird sie jedoch weiterleben und auch in Zukunft immer eng mit dem Nürburgring verbunden bleiben. Unser tiefstes Mitgefühl gilt weiterhin Klaus Abbelen, den Angehörigen/Freunden sowie dem gesamten Frikadelli Racing Team.

Wir werfen heute noch einmal einen Blick zurück auf ihre einzigartige Rennfahrerkarriere und speziell auch auf ein paar besondere Momente, die wir gemeinsam mit Sabine Schmitz am Nürburgring erleben durften. Denn eines steht fest: wenn es nach der ungeheuren Lebensfreude und positiven Art der gebürtigen Nürburgerin geht, sollten die schönen Erinnerungen an sie sicherlich gegenüber der Trauer in den Vordergrund rücken.

2008 hatten wir unser erstes gemeinsames Interview mit Sabine Schmitz, was wir damals in Kooperation mit dem Eurosport Motor Magazin geführt hatten. Auf die Frage, wie sie zum Motorsport gekommen sei, antwortete sie: „In Nürburg aufgewachsen drehte sich alles um den Ring. Aus Spaß machten wir Einkaufstouren oder brachten die Oma zum Frisör; ausschließlich über die Nordschleife. Begonnen habe ich dann mit einem kleinen Polo an Gleichmäßigkeitsprüfungen teilzunehmen. Im selben Jahr (1989) bestritt ich auch mein erstes Langstreckenrennen. Ein Jahr später wurde von Ford der Fiesta Mixed Cup (nur gemischte Paarungen unter 55 Jahren Gesamtalter) ins Leben gerufen. Schnelle Mädels wurden gesucht. Schließlich konnte ich mit Thomas Marschall 1992 den Titel gewinnen. Anschließend bekam ich einen BMW-Werksvertrag mit Einsätzen am Ring, Südafrika und Brasilien.“

Als BMW-Werksfahrerin stieß Sabine Schmitz (zum damaligen Zeitpunkt noch unter ihrem früheren Ehenamen „Sabine Reck“) u.a. zu Scheid Motorsport – eine Kombination, die für große Erfolge stand. Mit dem „Eifelblitz“ BMW M3 gewann man 1996 und 1997 gemeinsam das 24h-Rennen auf dem Nürburgring und wurde 1998 VLN-Meister. Doch wie kam es eigentlich zu dem Namen „Eifelblitz“? Auch hier hatte Sabine Schmitz ihre Finger im Spiel. Johannes Scheid erinnert sich zurück: „Sabine war nicht nur eine erstklassige Rennfahrerin, sondern konnte auch extrem gut zeichnen. Ich habe sie damals gefragt, ob sie sich etwas einfallen lassen kann, damit unser Auto nicht so „nackt“ aussieht. Dadurch ist es dann 1996 zu dem grün-weißen Design mit der Nürburg und dem Namen „Eifelblitz“ gekommen. Es war eine tolle und erfolgreiche Zeit damals mit ihr. Wir haben so viel Spaß gehabt, so viel gelacht.“

Doch auch abseits der Rennveranstaltungen machte Sabine Schmitz von sich reden und brachte vielen Fans die Nordschleife über das BMW-Ring Taxi näher. Teilweise lehrte sie ihnen auch das Fürchten vor der gefährlichsten und anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt. „Die Nordschleife ist das Lebenselixier der Eifel. Sie wurde 1927 erbaut, um eine der ärmsten Regionen Deutschlands zu beleben. Deshalb bedeutet sie uns sehr viel. Unsere Familie lebt vom Ring, seit er erbaut wurde. Mit dem BMW-Ring Taxi habe ich 1993 begonnen Touristen zu chauffieren. Wahrscheinlich ein einschneidendes Erlebnis für viele, denn das hat meine Popularität sehr gefördert“, schilderte Sabine Schmitz uns damals im Rahmen unseres ersten gemeinsamen Interviews.

Eine neue Epoche begann 2005 mit ihrem Lebensgefährten Klaus Abbelen – in Barweiler wurde mit Frikadelli Racing ein eigenes Team gegründet. Das „neue zu Hause“ von Sabine Schmitz hieß seither Porsche. 2008 schaffte es Schmitz mit dem Zuffenhausener Modell noch einmal beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring auf das Gesamtpodium. Platz drei hieß es am Ende für sie zusammen mit Klaus Abbelen, Kenneth Heyer und Dr. Edgar Althoff – einer von vielen Höhepunkten in ihrer Karriere. „Sehr schön waren die VLN-Rennen mit Johannes Scheid und natürlich die beiden 24h-Gesamtsiege mit ihm auf dem M3. Ein besonderes Ereignis war der dritte Platz mit meinem Freund Klaus, Eddy und Kenneth beim 24h-Rennen in diesem Jahr“, fasste Schmitz im damaligen Interview zusammen.

Doch die Verwirklichung eines großen Traums fehlte ihr zu diesem großen Zeitpunkt noch: der erste Gesamtsieg in der VLN. Um diesen kämpfte sie fortan mit Frikadelli Racing Jahr für Jahr. Es folgten viele Podiumsplätze, bis es am 20.07.2013 so weit war: der erste Gesamtsieg für die Mannschaft aus Barweiler. Den Porsche 911 GT3 R pilotierten damals Klaus Abbelen, Patrick Pilet und Patrick Huisman. Doch wo war Sabine Schmitz? Sie fehlte bei diesem Rennen wegen einer Knieverletzung, freute sich aber natürlich genauso mit, als hätte sie selbst am Steuer mitgewirkt. 2014 hatte das Warten dann allerdings ein Ende: gleich drei Gesamtsiege fuhr Schmitz mit ihren Teamkollegen im Rahmen der VLN ein. Es war das bis heute erfolgreichste Jahr für die Mannschaft von Frikadelli Racing auf der Nordschleife. 2015 gelang noch einmal der Sprung ganz oben auf das Podium – der vierte und letzte Gesamtsieg für sie in der VLN. Gleichzeitig war es ein ganz besonderer Moment: der vielumjubelte 200. Sieg für die Marke Porsche im Nordschleifenchampionat.

Parallel hierzu schrieb Schmitz ein weiteres Mal Geschichte: als erste Frau fuhr sie bei einem Rennen in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) in die Punkteränge. Trotz dieser stattlichen Anzahl an Erfolgen zeichnete sie eines aus: sie war immer bodenständig, voller Lebenslust und stehts humorvoll. Daran hat sich trotz ihrer Krebserkrankung nie etwas geändert. Bis zum Schluss hat sie diesem einen tapferen und bemerkenswerten Kampf geliefert - vielleicht auch inspiriert von einem ihrer großen Vorbilder, dem ebenfalls bis heute schwere Schicksalsschläge zu Teil wurden. „Alex Zanardi finde ich extrem bewundernswert. Trotz seiner Behinderung ist er sauschnell und immer gut drauf“, schilderte sie uns damals.

Nachfolgend findet Ihr ein paar weitere ausgewählte Videointerviews, die wir mit Sabine Schmitz über die Jahre hinweg führen durften. Zudem haben wir Euch auch noch ein paar Onboardaufnahmen zusammengestellt, um sie in bester Erinnerung zu behalten.


Text und Fotos: Daniel Cornesse

Fotos

In chronologischer Reihenfolge.
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Interviews

Die Stimmen der Piloten - nach Qualifying und Rennen.
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Onboards

Direkt aus dem Fahrzeuginneren.
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Kartevent

Eine einzigartige Veranstaltung.
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Terminplan

APR
17
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MAI
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