Lionspeed GP mit Bastian Buus, Ricardo Feller und Thomas Preining kämpfte sich nach einem Start aus der Boxengasse zurück und sicherte Porsche den Gesamtsieg bei den CrowdStrike 24 Stunden von Spa sowie den Erfolg in der Intercontinental GT Challenge (IGTC).
Ein Motorwechsel am Donnerstag zwang das Team dazu, das Rennen vom Ende des 69 Fahrzeuge starken Starterfeldes aufzunehmen. Der Porsche 911 GT3 R mit der Startnummer 80 arbeitete sich kontinuierlich nach vorne und gehörte bis Sonntagmorgen zu den drei Porsche, die um einen Platz in den Top Sechs kämpften. Schließlich entwickelte sich das Fahrzeug zum aussichtsreichsten Porsche im Kampf gegen den Mann-Filter Mercedes-AMG mit Lucas Auer, Luca Stolz und IGTC-Tabellenführer Maro Engel sowie gegen den von der Pole-Position gestarteten AF Corse Ferrari mit der Startnummer 51 von Alessio Rovera, Tommaso Mosca und Nicklas Nielsen. Der Ferrari verlor jedoch durch zwei Reifenschäden und insgesamt 40 Sekunden Zeitstrafe bei den Boxenstopps entscheidend an Boden.
Thomas Preining überquerte die Ziellinie schließlich mit einem Vorsprung von 12,3 Sekunden vor Lucas Auer. Dieser verteidigte den zweiten Platz erfolgreich gegen den Ferrari, der ihn – wie schon seine Teamkollegen in den letzten vier Rennstunden – bis zum Schluss unter Druck setzte. Am Ende trennten beide lediglich 0,7 Sekunden.
Für Bastian Buus und Ricardo Feller war es der erste Sieg in der IGTC. Thomas Preining feierte bereits seinen zweiten Erfolg in der Serie, nachdem er vor zwei Jahren beim ADAC Ravenol 24h Nürburgring als Gesamtzweiter und bester Fahrer der Intercontinental-Wertung ins Ziel gekommen war. Zudem ist Buus seit Jules Gounon im Jahr 2017 der jüngste Sieger der 24 Stunden von Spa.
Die sechs Hersteller der IGTC belegten 15 der ersten 16 Plätze im Gesamtklassement. Nicht darunter war allerdings Maxime Martin, der bis dahin gemeinsam die Fahrerwertung angeführt hatte. Sein GetSpeed Mercedes-AMG schied bereits am Samstagabend aus.
Dadurch führt Maro Engel die Fahrerwertung nun mit 17 Punkten Vorsprung vor Luca Stolz an. Maxime Martin liegt einen weiteren Punkt dahinter auf Rang drei, während Bastian Buus mit nur drei Punkten Rückstand auf Platz vier vorgerückt ist. Allerdings wird erwartet, dass Engel bei den verbleibenden IGTC-Läufen in Suzuka und Indianapolis seinem DTM-Programm den Vorrang gibt. Dadurch bleibt der Kampf um den Fahrertitel völlig offen.
Auch in der Herstellerwertung hat sich das Blatt gewendet. Dank der Plätze eins und vier in Spa verwandelte Porsche einen Neun-Punkte-Rückstand in einen Acht-Punkte-Vorsprung auf Mercedes-AMG. BMW folgt mit weiteren 17 Punkten Rückstand.
Im Independent Cup sicherte sich Jefri Ibrahim im Chevrolet von JMR den Pro-Am-Klassensieg und zugleich seinen ersten Klassenerfolg der Saison in der IGTC. Spitzenreiter Li Kerong (High Class Racing) wurde sowohl in Spa als auch in der Gesamtwertung Zweiter und baute damit seine Führung weiter aus. Johannes Zelger vom Team Tsunami RT komplettierte das Klassenpodium.
Die Veranstaltung stellte mit 132.000 Zuschauern einen neuen Besucherrekord auf. Offiziell gestartet wurde das Rennen von Pierre Fillon, dem Präsidenten des Automobile Club de l'Ouest.
Porsche setzt sich gegen Mercedes-AMG und Ferrari durch
Rein von der Geschwindigkeit her hätte Ferrari seinen bislang einzigen Sieg in der GT3-Ära eigentlich ausbauen müssen. Das Fahrertrio Nicklas Nielsen, Tommaso Mosca und Alessio Rovera hatte sich am Freitag souverän die Pole-Position gesichert und war auch im Rennen das schnellste Team. Ein Reifenschaden sowie Zeitstrafen warfen die Mannschaft am Samstagabend jedoch um fast zwei Runden zurück.
Davon profitierten Mercedes-AMG, Porsche, BMW und Ford, die im Rennverlauf allesamt zwischenzeitlich aus eigener Kraft die Führung übernahmen. Mehrere Ausfälle, Full-Course-Yellow-Phasen, Safety-Car-Einsätze und ein heftiger Regenschauer in den frühen Morgenstunden brachten den AF Corse Ferrari schließlich wieder zurück in den Kampf um den Sieg.
Der von Winward Racing eingesetzte Mann-Filter Mercedes-AMG überzeugte über die gesamten 24 Stunden mit großer Konstanz. Maro Engel, Lucas Auer und Luca Stolz fuhren schnell und fehlerfrei, konnten jedoch dem Tempo des aufholenden Ferrari und des Lionspeed-Porsche am Sonntagmorgen nicht mehr folgen.
Der Porsche mit der Startnummer 80 sowie die Fahrzeuge von Schumacher CLRT und Boutsen VDS bewegten sich dauerhaft in den Top Sechs, zu denen außerdem der Mann-Filter Mercedes-AMG, beide AF Corse Ferrari 296 GT3 und der BMW von WRT gehörten. Der BMW mit der Startnummer 46 fiel im Laufe des Vormittags jedoch etwas zurück.
Durch die unterschiedlichen Boxenstoppstrategien wechselte die Reihenfolge regelmäßig. Zunächst hatte der Winward-Mercedes-AMG einen knappen Vorsprung, ehe Thomas Preining rund fünfeinhalb Stunden vor Rennende mit einem perfekt getimten Undercut sowohl den Mann-Filter Mercedes-AMG als auch den Porsche von Schumacher CLRT überholte und die Führung übernahm.
Anschließend baute die Mannschaft ihren Vorsprung mehrfach auf nahezu 20 Sekunden aus. Zwar sorgten Neutralisierungen immer wieder dafür, dass die Konkurrenz neue Chancen erhielt, doch keine davon konnte genutzt werden.
Nicklas Nielsen und Alessio Rovera überholten zwar nacheinander die übrigen führenden Porsche, fanden jedoch keinen Weg an Maro Engel, Luca Stolz und Lucas Auer vorbei. Der Mercedes-AMG verteidigte Rang zwei bis ins Ziel erfolgreich gegen den Ferrari.
Der vierte Platz ging an den Porsche von Schumacher CLRT, der sich ein hart umkämpftes Duell mit dem Porsche von Boutsen VDS lieferte. Die dabei entstandenen Beschädigungen warfen das Fahrzeug bis auf Rang acht zurück. Dazwischen platzierten sich der zweite AF Corse Ferrari mit Arthur Leclerc, Sean Gelael und Lilou Wadoux, der BMW von WRT mit Dan Harper, Max Hesse und Valentino Rossi sowie der Aston Martin von Walkenhorst, der trotz eines spektakulären Beinahe-Ausfalls mit kurzem Abheben während einer Massenkollision in der ersten Runde das Rennen beenden konnte.
Für Ford endete ein insgesamt vielversprechender Auftritt letztlich ohne Spitzenresultat. Der HRT Ford Mustang GT3 mit der Startnummer 64 führte das Rennen zeitweise aus eigener Kraft an, schied jedoch später an der Bus-Stop-Schikane aus. Auch das Schwesterfahrzeug lag zwischenzeitlich aussichtsreich in den Top Sechs, wurde jedoch nach einem Dreher aus der Führung seiner Klasse gerissen.
Die Intercontinental GT Challenge wird vom 11. bis 13. September mit den Suzuka 1000 Kilometer in Japan fortgesetzt.
Text: IGTC und Foto: Patrick Liepertz


